Ein junger Mann, der mit seinem Onkel hier auf Seminar ist, wollte in der Eingangsrunde vor fünf Tagen gar nicht sprechen. Mit seinen 15 oder 16 Jahren war ich erstaunt, dass er überhaupt mitgekommen war. In den Pausen sah ich ihn meist GameBoy spielen und versuchte einfach einen unbefangenen Kontakt hin und wieder herzustellen.
Er fehlte nie, auch wenn er meist unbeteiligt oder gelangweilt wirkte. Heute in der Gesamtrunde, in der jeder gebeten war, sich zu äußern, womit er gerade da sei und wie er oder sie sich fühlte, kam auch dieser junge Mann zu Wort. Er sagte: “Als ich hier her kam, habe ich niemandem vertraut.” Er schluckte. “Es war einfach eine dicke Mauer zwischen mir und den anderen hier. Jetzt vertraue ich allen hier, und ich würde euch mein Leben anvertrauen. Die Mauer ist weg.” Augenblicklich waren Tränen in allen Augen. Es war ein solches Geschenk…

Ein anderer junger Mann, gerade 24 geworden, meinte: “Seit ich hier bin spüre ich, wie viel Angst ich vor anderen Menschen habe.” Wir hatten alle bemerkt, wie cool und auf Abstand er zum Rest der Gruppe gewesen war. Was für eine harte Schale er sich “gebastelt” hatte! Jetzt traten Tränen in seine Augen: “Hier mit euch ist es anders. Ich spüre jetzt, wie viel Liebe in mir ist und wie viel Angst ich habe, sie zu zeigen.” Dicke Tränen kullerten über sein Gesicht, das er zu vergerben versuchte. “Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn ich wieder nach Hause komme…”

Wir müssen Räume für unsere Jugend schaffen, in denen sie sich authentisch zeigen und ehrlich angenommen sind! Wir brauchen Räume, in denen sie lernen können, die Liebe, die sie auf die Erde bringen, auch zu geben. Viele von ihnen haben so viel Licht und Weisheit in Gepäck! Ich bin überzeugt, dass wir sie nicht mehr den Computern, den Schulen und sich selbst überlassen sollten. Die Verrohung der jungen Leute ist nicht Gottes Plan. “Gott ist Liebe weiterhin und dies ist nicht Sein Plan!” Wir und unsere Kinder sind gemeinsam auf Kurs, so oder so…

Vom Sommerseminar,
Manuela